Wenn Plankton fällt, fällt die Welt.
Plankton klingt nach Kleinkram. Winzige Algen, unsichtbare Tierchen, ein bisschen Meeressuppe. Aber ohne sie läuft nichts – weder im Ozean noch an Land.
Phytoplankton betreibt Photosynthese. Es produziert ungefähr die Hälfte des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre. Jeder zweite Atemzug kommt nicht vom Regenwald, sondern aus dem Meer. Gleichzeitig bindet es gigantische Mengen CO₂ – eine natürliche Klimaanlage.
Zooplankton frisst diese Mikroalgen. Es ist die Basis der marinen Nahrungskette: Krill, Sardinen, Heringe, Thunfisch, Wale – alle hängen direkt oder indirekt daran.

Wann kippt das System?
- Ozeanversauerung: Seit Beginn der Industrialisierung hat der pH-Wert der Ozeane bereits um 0,1 bis 0,15 abgenommen. Klingt wenig, bedeutet aber eine Versauerung von rund 30 %. Viele Planktonarten mit Kalkschalen beginnen schon jetzt, ihre Struktur zu verlieren.
- Erwärmung: Steigende Meerestemperaturen schichten die Ozeane um. Weniger Nährstoffe steigen auf, das Plankton wird ausgehungert.
- Schwelle: Eine weitere Absenkung um nur 0,1 pH-Einheiten und Erwärmung um +1,5 bis +2 °C in den Ozeanen – dann kippen großflächig ganze Planktonpopulationen. Diese Werte erreichen wir zwischen 2040 und 2060, auf unserem jetzigen Kurs möglicherweise früher.
Was passiert danach – und wie schnell?
Sauerstoff
Die Atmosphäre enthält riesige Reserven. Selbst wenn das Plankton zurückgeht, sinkt der Sauerstoffgehalt für uns Menschen erst sehr langsam – über Jahrhunderte. Akut merken wir das nicht sofort.
CO₂-Bindung
Der Effekt ist unmittelbar: Wenn weniger Plankton wächst, wird weniger CO₂ gebunden. Das bedeutet, dass die Erwärmung noch schneller zunimmt. Die Klimaerhitzung beschleunigt sich innerhalb weniger Jahre.
Nahrungskette
Das ist der härteste Schlag. Fällt das Plankton, fällt das Zooplankton – und damit Krill, Sardinen, Hering. Binnen weniger Jahre kollabieren regionale Fischbestände. Prognosen sprechen von 20–30 % weniger globalem Fischfang bis 2050, und das ist konservativ gerechnet. In manchen Regionen kann es schon in den 2030ern zu völligen Zusammenbrüchen kommen. Milliarden Menschen, vor allem im globalen Süden, verlieren damit ihre wichtigste Eiweißquelle.
Kurz gesagt:
Plankton ist nicht nur „irgendwo am Anfang der Nahrungskette“. Es ist die Grundlage des Lebens im Meer – und damit auch für uns.
- Zuerst bricht das Essen weg.
- Dann kippt das Klima noch schneller.
- Und irgendwann verliert auch die Atmosphäre ihren Atem.
Wenn Plankton fällt, fällt die Welt.
