Die zivilisierte Keule – Vom Zuschlagen zum Zustimmen
Am Anfang war keine Ordnung, kein Gesetz, keine Moral.
Nur das Bedürfnis zu überleben – und die Keule als Argument.
Wer stärker zuschlug, hatte recht.
Das war die erste Form der Politik –
und, seien wir ehrlich, wahrscheinlich auch die ehrlichste.
Man wusste wenigstens, woran man war:
Entweder man gewann, oder man war dekoratives Erdreich.
Die früheste Abstimmung bestand darin,
dass der Schwächere nickte, um zu überleben.
Ein Vorgang, der später als „Zustimmung durch Mehrheit“
in die Geschichte einging.
Tausende Jahre später hat sich die Waffe verfeinert,
nicht das Prinzip.
Aus Stein wurde Metall, aus Gewalt wurde Glaube,
aus Glaube wurde Macht –
und irgendwann kam jemand auf die Idee,
dass es vielleicht billiger wäre,
die Leute sich freiwillig unterwerfen zu lassen.
Die Priester erklärten, dass der Himmel auf der Seite der Sieger sei,
und die Könige erklärten, dass sie selbst der Himmel seien.
Beide waren sich einig, dass Gott erstaunlich oft
mit dem jeweiligen Regenten übereinstimmte.
Die Bevölkerung nickte – wieder.
Routine ist schließlich eine kulturelle Leistung.
In Ägypten ließ man Pyramiden bauen, um die Macht zu konservieren –
Stein gewordene Arroganz mit menschlichen Knochen als Mörtel.
In Rom baute man Straßen, um sie schneller zu exportieren –
Eroberung als Infrastrukturprojekt.
Im Mittelalter ließ man Kirchen errichten, um sie zu verkleiden –
die Fassade einer göttlichen Ordnung,
hinter der dieselben alten Raubtiere beteten,
diesmal bloß mit Lateinkenntnissen.
Die Französische Revolution versprach, sie abzuschaffen –
und schuf sie neu, in republikanischer Verpackung
und mit einem hymnischen Beipackzettel.
Jede Epoche tauschte ihre Herrscher, nie ihr Prinzip.
Die Macht überlebt alles –
Ideologien, Religionen, Demokratien,
sogar ihre eigenen Fehler.
Sie lernt nur, sich besser zu schminken:
erst als Krone, dann als Credo,
heute als Bilanz.
Und die Menschheit nickt,
weil sie in all den Jahrhunderten
eins nie verlernt hat:
sich prügeln zu lassen,
solange der Stock feiner aussieht als früher.

