Hier ist der vierte Teil meiner Erfahrungen mit Alltagsrassismus.
Es war im Jahr 2002. Ich hatte mich telefonisch für eine Außendienststelle als IT-Techniker beworben. Offenbar überzeugte ich am Telefon so sehr, dass der Chef mir direkt die Zusage gab und versprach, mir im Anschluss den unterschriebenen Arbeitsvertrag zuzusenden. Ich war absolut glücklich, denn ich war schon lange arbeitslos, und meine Ehe litt bereits darunter. Jährlich verschickte ich etwa 270 Bewerbungen, erhielt jedoch nur rund 30 Absagen – der Rest antwortete erst gar nicht. Für einfache Jobs war ich überqualifiziert, für bessere Stellen offenbar „zu türkisch“. Und diese Bewerbung sollte meine Vermutung bestätigen.
Am Abend, so gegen 20 Uhr, klingelte mein Telefon. Ich war erstaunt, da ich um diese Zeit normalerweise kaum Anrufe bekam. Es war eine andere Zeit – Handys waren noch nicht weit verbreitet. Ich nahm ab, und eine freundliche Dame stellte sich als die Sekretärin der Firma vor. Sie teilte mir mit, dass ich keinen Vertrag bekommen würde, wollte mich aber der Fairness halber darüber informieren. Sie sagte, die Firma könne mich mit meinem Namen nicht zu den konservativen Kunden schicken. Und ob ich schon einmal darüber nachgedacht hätte, meinen Namen zu ändern.
Ich lehnte dankend ab. Was für ein Irrsinn, mir mit meinem türkischen Namen Hoffnungen bei einer Bewerbung an eine IT-Firma in Reichshof zu machen. Eigentlich hätte ich mir das Ergebnis ja auch denken können.
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