Demokratie in Gefahr – wenn Menschen gegen Nazis demonstrieren?
Es gibt Aussagen, die so absurd sind, dass man sie fast für Satire halten könnte – wäre da nicht der bittere Ernst dahinter. Anabel Schunke, rechte Influencerin mit dem journalistischen Tiefgang einer Pfütze im Hochsommer, hat es wieder einmal geschafft: Friedlich demonstrierende Menschen sind für sie ein „Anschlag auf die Demokratie“.
Ja, richtig gelesen. Menschen, die ihr Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nutzen, um gegen Rechtsextremismus zu protestieren, sind in ihrer verzerrten Parallelwelt eine Bedrohung für genau jene Demokratie, die ihnen dieses Recht überhaupt erst garantiert. Willkommen im absurden Theater des rechten Framing.
Der rechte Taschenspielertrick: Framing für Anfänger
Das ist kein Einzelfall. Es ist eine bewährte Methode in der rechten Propaganda:
- Nazis marschieren? „Das ist Meinungsfreiheit!“
- Menschen protestieren gegen Nazis? „Das ist ein Anschlag auf die Demokratie!“
Man nennt das Framing – Begriffe so zu verdrehen, dass Opfer zu Tätern werden und Täter zu unschuldigen „besorgten Bürgern“. Wenn also ein paar Tausend Menschen mit Lichtern gegen rechte Hetze demonstrieren, wird daraus in der Schunke-Welt ein demokratischer Super-GAU. Weil Demokratie für sie offenbar nur dann gut ist, wenn sie still, weiß und am besten AfD wählt.
Die Logik der Lächerlichkeit
Man stelle sich vor, die Demokratie wäre tatsächlich so fragil, dass sie von ein paar leuchtenden Smartphones vor einer CSU-Zentrale bedroht würde. Vielleicht ist das die Demokratie, die sich Anabel Schunke wünscht: eine, die keine Kritik erträgt, die den Mund hält, wenn’s unbequem wird, und die am besten gar nicht mehr demonstriert – außer natürlich für „richtige“ Anliegen, wie Impfgegner-Demos oder Reichsbürger-Spaziergänge.
Aber genau da liegt der Punkt: Es geht nicht um Demokratie. Es geht um Kontrolle. Um die Deutungshoheit über Begriffe und Werte. In der Welt der rechten Meinungsmacher ist Demokratie kein Ideal, sondern eine Kulisse, die man verschiebt, bis der eigene Unsinn plausibel wirkt.
Der eigentliche „Anschlag auf die Demokratie“
Nein, Anabel, der „Anschlag auf die Demokratie“ sind nicht die Menschen, die protestieren.
Der Anschlag ist das systematische Untergraben von Werten wie Toleranz, Vielfalt und Rechtsstaatlichkeit.
Der Anschlag sind Influencer, die Hass als Meinung tarnen.
Der Anschlag sind Politiker, die mit Faschisten kooperieren und so tun, als sei das normal
Der wahre „Anschlag auf die Demokratie“ ist nicht der Protest auf der Straße.
Es ist das Gift, das ihr in die Köpfe der Menschen träufelt – Tropfen für Tropfen.