Die Wahlergebnisse haben uns hart getroffen. Wir haben ein wenig resigniert, die Motivation liegt am Boden, und ehrlich gesagt, ich zweifle daran, ob wir wirklich in der Mehrheit sind. Die AfD hat zu viele Prozentpunkte geholt, als dass man sie noch als reine Protestminderheit abtun könnte. Es fühlt sich an, als würden immer mehr Dullies aus ihren Löchern kriechen, stolz und ungeniert mit einem „Ich wähle AfD“-Rahmen um ihr Profilbild. Es ist salonfähig geworden, was einst Empörung auslöste.
Meine Timeline ist mittlerweile überflutet mit AfD-Themen und AfD-Anhängern, obwohl ich mich bewusst dagegen wehre und gezielt nach Anti-AfD-Inhalten suche. Es scheint, als ob die Algorithmen selbst gegen uns arbeiten und uns immer wieder in die Realität stoßen, die wir so hart bekämpfen. Der Kampf gegen rechts fühlt sich mehr und mehr an wie ein verzweifeltes Rudern gegen eine Strömung, die uns unaufhaltsam nach hinten zieht.
Die Sätze „Wehret den Anfängen“ und „Nie wieder ist jetzt“ klingen heute wie schale Erinnerungen an eine Zeit, in der wir noch geglaubt haben Gutes bewirken zu können. Aber es scheint, als wäre der Punkt, an dem diese Warnungen hätten wirken können, längst überschritten. „Nie wieder“ ist zur hohlen Phrase geworden, während „Jetzt“ uns ins Gesicht lacht. Es ist schwer, die Motivation aufrechtzuerhalten, wenn die eigenen Werte und Überzeugungen täglich durch die Wahlergebnisse, durch Hass und durch den Rückfall in alte, längst überwunden geglaubte Denkmuster infrage gestellt werden.
40 Jahre im Kampf gegen Rechts – und doch scheint es, als hätten wir keinen einzigen Schritt vorwärts gemacht. Stattdessen wachsen die rechten Strukturen, der Hass wird lauter, und der Faschismus ist wieder ein allgegenwärtiger Begleiter unserer Zeit. Unsere Motivation schwindet, und die Hoffnung, dass sich die Dinge ändern können, wird kleiner. Wir fühlen uns, als hätten wir den Kampf verloren, als ob all unser Engagement, all unsere Kämpfe, Demonstrationen, Aufklärungsarbeit und Widerstand umsonst gewesen seien.
Wie sollen wir uns noch motivieren? Wie sollen wir weitermachen, wenn es sich anfühlt, als ob die Wellen der Rechten uns überrollen und ins Abseits drängen? Wir haben all unsere Energie aufgewendet, um den Anfängen zu wehren, doch jetzt scheint es, als wären wir machtlos, während sich das Unvermeidliche entfaltet.
Aber vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir uns erinnern müssen, warum wir überhaupt angefangen haben. Der Kampf gegen Rechts ist nicht immer einer, der durch große Siege gewonnen wird. Manchmal ist es das Aufstehen nach jedem Rückschlag, das Weitermachen trotz allem, das Wieder- und Wiederholen der immer gleichen Argumente gegen die immer gleichen Vorurteile. Vielleicht ist es der unbequeme, mühsame Weg, der uns mehr kostet, als wir zu geben bereit sind. Und vielleicht ist es genau deshalb der richtige.
Wir haben 40 Jahre gekämpft. Und auch wenn es heute scheint, als hätten wir verloren, ist es doch der gleiche Kampfgeist, der uns voranbringen kann. Denn solange es noch Stimmen gibt, die sich gegen den Hass erheben, solange es noch Menschen gibt, die „Nein“ zu Faschismus und Rassismus sagen, ist nichts verloren. Der Kampf mag sinnlos erscheinen, doch Aufgeben ist keine Option – denn wir sind diejenigen, die trotz allem weiterkämpfen müssen.
Wir sind AKeS, und wir geben nicht auf. Egal, wie düster es aussieht.