oder wie man Menschen mit Pseudoweisheiten vom Kapitalismus ablenkt
„Gib jemandem einen Fisch, und er hat für einen Tag zu essen. Lehre ihn zu fischen, und er wird nie wieder hungern.“
Klingt edel, nicht wahr? Ein Aphorismus, so weichgespült, dass er glatt als Kalenderspruch durchgehen könnte. Die perfekte Rechtfertigung für diejenigen, die mit einem freundlichen Lächeln „Hilfe zur Selbsthilfe“ predigen, während sie in der Praxis dafür sorgen, dass genau das niemals passiert.
Die Realität? Ganz einfach:

„Gib jemandem einen Fisch, und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre jemanden zu fischen – und du verlierst einen verlässlichen Kunden.“
(Erwerbsregel der ferengi – Nr. 208. Denn manchmal ist Science-Fiction einfach ehrlicher als unsere Wirtschaftsbücher.)
Denn machen wir uns nichts vor: Kein System, das auf Profit basiert, hat Interesse daran, Menschen unabhängig zu machen. Wer lernt, sich selbst zu versorgen, kauft nichts mehr. Wer lernt, Probleme eigenständig zu lösen, braucht keine Berater, Coaches oder Experten. Und wer versteht, wie das Spiel läuft, stellt unbequeme Fragen.
Kapitalismus funktioniert nicht durch Bildung, sondern durch Abhängigkeit.
Deshalb werden Menschen in miese Jobs gezwungen, anstatt ihnen Werkzeuge in die Hand zu geben, um aus dem System auszubrechen. Deshalb bleiben lebensnotwendige Ressourcen – Nahrung, Wasser, Wohnraum – in privater Hand. Deshalb wird Wissen nicht frei zugänglich gemacht, sondern hinter Bezahlschranken versteckt.
Der ursprüngliche Spruch ist kein Ideal, sondern eine Ablenkung. Eine Beruhigungspille für die, die glauben wollen, dass die Welt fair sein könnte, wenn man sich nur anständig anstrengt.
Aber die Wahrheit ist:
Die, die das Fischen lehren könnten, besitzen längst das Gewässer. Und verlangen Pacht für jede Angel, die ins Wasser taucht.
