Nachruf auf die Natur
Verabschieden wir uns von einem längst überholten Konzept, das uns viel zu lange begleitet hat: die Natur. Ja, diese nervige, unpraktische Ansammlung von Bäumen, Tieren und sauberer Luft hat endlich den Weg freigemacht für eine glänzende, betonierte Zukunft.
Die Natur, einst gelobt für ihre „Schönheit“ und „Vielfalt“, stellte sich doch immer wieder als Ärgernis heraus. Wer braucht schon Wälder, die nichts weiter tun, als Platz zu verschwenden, den wir dringend für Einkaufszentren und Parkplätze benötigen? Und diese Tiere! Laut, störend und völlig unnütz, außer vielleicht als Inhalt für Zoos oder Wildreservate, die man dann besuchen kann, wenn das Netflix-Angebot mal langweilig wird.
Die Ozeane, mit ihrem salzigen Wasser und den albernen Fischen, haben uns doch immer nur Probleme bereitet. Überschwemmungen hier, Tsunamis dort – wer braucht das schon? Nicht zu vergessen die nervige Angewohnheit, Plastikmüll anzusammeln und uns daran zu erinnern, dass wir vielleicht doch ein kleines Problem mit Müll haben könnten. Zum Glück haben wir nun genug Müll, um die Ozeane vollständig zu ersetzen.
Die Berge, mit ihren unpraktischen Höhen und gefährlichen Abgründen, waren sowieso nur etwas für verrückte Wanderer und Fotografen. Und ganz ehrlich, die Luftqualität war doch überbewertet. Ein bisschen Smog hat noch niemandem geschadet, und wer braucht schon saubere Luft, wenn wir stattdessen die wunderbaren Abgase unserer Autos genießen können?
Unser Planet, dieser alte, ausgediente blaue Fleck im All, war einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Natur war wie ein veraltetes Betriebssystem – es funktionierte irgendwie, aber wer will das schon, wenn man Hochhäuser, Klimaanlagen und industrielle Landwirtschaft haben kann?
Ruhe in Frieden, Natur. Du warst nie wirklich nützlich und wir werden dich kaum vermissen. Deine grüne Farbe passte sowieso nicht zu unserer grauen Beton-Ästhetik. Auf Wiedersehen, und danke für nichts! Drecksteil!
© #AKeS