Offener Brief an Serap Güler – Von einem Migrantensohn an eine, die es besser wissen müsste
Liebe Serap Güler,
mein Vater kam als Gastarbeiter nach Deutschland. Deiner auch. Ich weiß, was das bedeutet. Ich weiß, wie viel Demütigung, Rassismus und Kämpfe mit diesem Schicksal verbunden waren. Unsere Eltern mussten sich ihren Platz in dieser Gesellschaft erkämpfen, während sie von Nazis als „Fremdkörper“ beschimpft wurden.
Du kennst diese Geschichte. Und doch stehst du heute auf der Seite derer, die genau diese Hetze weiterführen – nur in einem anderen Gewand. Du sitzt in einer Partei, die mit der AfD gemeinsame Sache macht, die gegen Migration Stimmung macht und sich über den „Bevölkerungsaustausch“ empört, wenn es um Menschen wie unsere Eltern geht. Du unterstützt eine politische Linie, die immer weiter nach rechts rückt, die Abschiebungen verschärfen will und die Menschenrechte nur dann verteidigt, wenn es gerade in die eigene Kampagne passt.
Und nun inszenierst du dich als Opfer. Als jemand, der angeblich als Nazi beschimpft wird – obwohl auf deinem Plakat „Nazi-Helfer“ steht. Der Unterschied ist entscheidend. Niemand behauptet, du wärst eine Nationalsozialistin. Aber du hilfst mit, rechte Narrative zu normalisieren. Du bist nicht das Opfer. Du bist der Steigbügelhalter.
Dass du nun einer ukrainisch-stämmigen Kritikerin sagst, sie solle „endlich nach Hause gehen“, zeigt endgültig, wo du stehst. Das ist AfD-Duktus. Das ist genau die Sprache, mit der dein Vater einst angefeindet wurde. Und du nutzt sie jetzt gegen andere.
Ich weiß nicht, was dein Vater dazu sagen würde. Ich weiß nur, was meiner sagen würde: „Wir haben nicht für diese Gesellschaft gekämpft, damit unsere Kinder die gleichen Fehler wiederholen.“
Du kannst weiterhin lachen, Serap. Aber irgendwann wirst du zurückblicken und dich fragen müssen, wann du aufgehört hast, auf der richtigen Seite zu stehen.